Natur

Alles im grünen Bereich! Wir erklären, warum die Natur für uns so wichtig ist und wie wir ihre Kraft nutzen können

Beauty-ABC

Zurück zur Natur. Angesichts zunehmender Verstädterung, Flächenversiegelung, Abholzung von Wäldern und – nicht zu vergessen – der globalen Klimakrise wirkt dieser Satz beinahe antiquiert. Ist aber aktueller denn je. Warum? Weil wir ohne die Natur echt aufgeschmissen wären. Denn: Pflanzen sorgen seit jeher für unser Überleben, indem sie uns als Nahrung dienen, schädliches CO2 aufnehmen, Sauerstoff abgeben und durch ihre wertvollen Inhaltsstoffe für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sorgen. Zeit also, die Natur in unserer direkten Umgebung mal genauer zu betrachten und zu überlegen, wie wir sie uns zurückholen können.

Olivenöl:

Seit der Antike als geschmeidig pflegendes Beautytreatment geschätzt dank essenzieller Fettsäuren (u.  a. Linolsäure), antioxidativ wirkender Poly­phenole und Vitamin E.

Calendula (Ringelblume):

Ihre Blüten enthalten entzündungshemmende, antioxidative Verbindungen. Pflegt trockene und gereizte Haut.

Echte Kamille:

Das Heilkraut schlechthin. Hemmt Entzündungen (Dampfbad), löst Krämpfe (Tee) und fördert die Wundheilung (Salben, Tinkturen). Ideal für Haut- und Haarpflege.

Rosmarin:

Seine ätherischen Öle wirken durch­blutungsfördernd, antibakteriell und antioxidativ.
Anwendung als anregendes Massageöl und Bade­zusatz, bei unreiner Haut und fettigem Haar.

Grün ist heilsam

Das bezieht sich nicht nur auf allseits bekannte Heilpflanzen, die wir seit Jahrhunderten als Arznei und zur Körperpflege einsetzen, sondern auf die positive Wirkung grüner Vegetation allgemein. Oder wie es die englische Schriftstellerin Jane Austen (1775–1817) treffend ausdrückte: „An einem schönen Tag im Schatten zu sitzen und ins Grüne zu blicken, ist die beste Erfrischung.“ Wie heilsam vegetabiles Grün ist, fand der Architekturprofessor Roger S. Ulrich von der Chalmers-Universität im schwedischen Göteborg vor über 30 Jahren heraus. Er teilte Krankenhauspatienten, die sich einer Gallenblasenoperation unterzogen hatten, in zwei Gruppen. Die einen blickten aus ihren Fenstern ins Grüne, die anderen auf eine Backsteinmauer. Das Ergebnis: Die Patienten mit Blick ins Grüne erholten sich schneller und benötigten weniger Schmerzmittel, die Pflegekräfte attestierten ihnen einen optimistischeren Blick in die Zukunft. Was heisst das für uns Stadtbewohner ohne eigenen Garten? Zum einen: Holen wir uns das Grün ins Zimmer und auf den (kleinen) Balkon. Zum anderen: raus in die Natur, so oft es geht, ob in den Wald oder auf die Wiese.

Im Wald sein, bewusst in seine Atmosphäre eintauchen – das ist Shinrin-Yoku. So nennt man in Japan die Naturtherapie des Waldbadens. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür haben Forscher der Nippon Medical School in Tokio gelegt. Waldbaden verbessert nachweislich Atmung, Puls und Blutdruck, stärkt das Immunsystem und reduziert Stress. Das liegt auch an den Terpenen, die wir einatmen und über die Haut aufnehmen. Mit diesen Duftstoffen kommunizieren Bäume untereinander und mit Insekten. Waldbaden wird auch in der Schweiz immer beliebter. (Waldes-)Lust bekommen? Infos gibt es unter achtsamkeitimwald.ch.

Urban Gardening

Werden Sie zum Stadtgärtner! Begrünen Sie Ihren eigenen Balkon mit Kräutern, Beeren und Gemüse in Hochbeeten und mit Blühpflanzen in Kübeln und Blumenkästen. So versorgen Sie sich selbst mit Essbarem und die Insektenwelt mit reichlich Nektar. Dazu gehört mittlerweile auch das private Imkern auf Balkon oder Flachdach. Wer gern in Gemeinschaft gärtnert und dabei sein Pflanzenwissen erweitern möchte, kann sich an Urban-Gardening-Projekten in seiner Stadt beteiligen. Auf freien Flächen bauen engagierte Hobbygärtner gemeinsam Obst, Gemüse, Blumen und Kräuter an. Allein in Basel gibt es über 40 Projekte, in und um Bern können sich über 2’000 Familien ihren Traum vom Stadtgarten erfüllen, auch in Zürich und Luzern mehren sich die Angebote (Infos: nachhaltig-leben.ch). Urban Gardening begrünt die Stadt, verbessert die Luftqualität, fördert Biodiversität und schafft grüne Wohlfühloasen für Jung und Alt.

Pflanztipps

Aloe vera

Die Sukkulente aus den (Sub-)Tropen braucht einen warmen, ­sonnigen Platz. Bei uns kann sie nicht im Freien überwintern und wird als ­zeitweilige Kübelpflanze auf Balkon und Terrasse oder als Zimmer­pflanze gehalten. Sie bevorzugt leichte, durchlässige Erde speziell für Sukkulenten und Kakteen. Da sie Wasser in ihren Blättern speichert, muss sie nur selten gegossen werden.

Kräuter

Sie lassen sich im Garten und auf dem Balkon kultivieren. Ihr Ursprung ist wichtig bei Standort und Pflege. Mediterrane Kräuter mit ­kleinen, harten Blättern wie Rosmarin & Co. bevorzugen sonnige, karge ­Standorte und wenig Wasser. Kräuter mit üppiger grüner Blattmasse mögen halbschattige Standorte mit mehr Wasser und Dünger.

Echte Kamille

Mit ihren weissen Blüten macht sie sich auch im Kübel auf dem Balkon ganz gut. Sie liebt Sonne und Halbschatten sowie regelmässige ­Bewässerung. Die Ernte der Blüten für Tee oder andere Anwendungen kann beginnen, sobald sich die Blütenköpfchen voll entfaltet haben.

Essbare Städte

Das Konzept ähnelt dem Urban Gardening, unterscheidet sich aber darin, dass sämtliches Obst, Gemüse und andere Nutzpflanzen auf öffentlichen Flächen wie Fussgängerzonen, Parks und Spielplätzen allen Menschen frei zur Verfügung stehen. Das heisst, jeder kann Äpfel und Kirschen pflücken, sich an Salat und Gemüse gütlich tun. Vorreiter war 2008 die Kleinstadt Todmorden im englischen Yorkshire. Bald darauf folgten die deutschen Städte Kassel und Andernach. Das Pflanzkonzept basiert auf den Prinzipien der Permakultur (von englisch „permanent agriculture“), d. h. auf einem geschlossenen, stabilen und nachhaltigen Ökosystem, das natürlichen Abläufen nachempfunden ist und besonders auf den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser Wert legt. Das Beispiel hat Schule gemacht, z.  B. in Aarau (grueneinsel-aarau.ch).

Jetzt ist die Zeit, um die Blütenpracht von Wildblumenwiesen und Obstbäumen zu geniessen. Endlich ist es trocken und warm genug, um faul im Gras zu liegen, den Blick schweifen zu lassen und den fleissigen Bienen beim Nektarsammeln zuzuschauen. Oder auf Schafe mit ihren Lämmern zu treffen. Sei es auf Spaziergängen und Velotouren oder auf geführten Heilkräuterwanderungen. Zum Beispiel auf der Frühlingskräuterwanderung Oberbaselbieter Chriesiweg & Eichenhain bei Bubendorf (21. 4. 2025, Infos unter phytotherapie-seminare.ch). Idyllisch und lehrreich zugleich.

Und zum Schluss …

… eine Anmerkung: Nach 32 Jahren Stadtleben ist unsere Autorin ein paar Kilometer weiter aufs Land gezogen. Von ihrem Balkon blickt sie statt auf Beton nun auf Felder, Bäume und die Berge am Horizont. Statt Verkehrslärm hört sie das Gezwitscher von Sperlingen und Meisen und beobachtet Falken bei der Jagd. Die duftende pinke Indianernessel auf ihrem Balkon, aus deren Blättern und Blüten die amerikanischen Ureinwohner Tee zubereiteten, ist ein wahres Buffet für Hummeln. Der eigene Himbeerstrauch lädt zum Naschen ein. Wenn es im Sommer heiss wird, schlendert sie durch das nahe Naturschutzwäldchen, wo es einige Grade kühler ist, atmet tief den Geruch von Erde, Moos und Laub ein – und geniesst die meditative Stille. Natur pur …

Fotos: Getty Images, iStock, stocksy